#0002 07.05.2021

#0002 07.05.2021

Johannes Nicolay – The heART of a chef – Der Blog aus dem Vegan Hotel Nicolay 1881

#0002  07.05.2021  Kickstart my heart

Johannes Balkon
Jetzt (Freitag 30.04.2021 8:07h) ist es genau eine Woche her, dass ich meinen zweiten Herz-Infarkt hatte und wieder ein Überlebenskampf los ging. Wieder die Angst da ist, die sich wie dickflüssiges Karamell über einen zieht und langsam kristallin fest wird. Einen lähmt.
 
Diese Angst zu verdrängen ist mir diesmal sehr viel schwerer gefallen, weil ich wusste was mich erwartet, weil ich wusste was auf dem Spiel steht. Am meisten hatte ich spontan Angst, dass ich diesmal doch aufgeschnitten werden muss. Was für ein komischer, erster Gedanke? Ich fühlte mich auch sehr viel schwächer als beim ersten Mal. Hatte Schweißausbrüche und konnte mich kaum noch auf den Beinen halten. Warum eigentlich jetzt? Ich hab den geringsten Stress meines Lebens. Seit Monaten „frei“. Klar, will ich gern wieder aufmachen. Aber es ist wie es ist. Hab ich mich übernommen bei den Umbauarbeiten hier im Haus? Vielleicht. Meine seit Tagen bestehenden Rücken und Nackenschmerzen sind sicher eine Resultat vom Vorschlaghammer-Dauereinsatz. Die Rücken-Schmerzen übertönten alles, wie dramatische Blechbläser in einem Orchester. Nur noch 40 Puls, Schweißausbrüche. Kann mich kaum auf den Beinen halten. Aber der Gedanke an: „Warum ich?“, kommt mir gar nicht erst in den Sinn. „Warum“ ist schon klar.
 
Scheiss Arterien. Liegt in der Familie. Aber ich weiß auch dass ich trotzdem, nach drei Jahren, die Tabletten nur noch sehr unregelmäßig genommen habe. Ich habe eine sehr schlechte Pillendisziplin. Wollte nicht jeden Tag erinnert werden an mein geschenktes Leben. Um vorzugreifen: Das werd ich ändern! Hab schon ganz andere Änderungen in meinem Leben überwunden!!! Ich bin ein Kämpfer. Nichts kann daran etwas ändern. „Es ging mir ja soo gut! Was bin ich nur für ein Glückspilz“ Die letzten Worte eines Volltrottels.
 
Was hab ich mir nur dabei gedacht die Pillen nicht mehr zu nehmen?!? Wollte ich vergessen, dass ich beim letzten Mal gestorben bin? Ein Moment, eine Erfahrung, die man garantiert NICHT vergisst und die schwer mit diesem, dem Leben hier vereinbar ist. Alles egal jetzt! Es gilt keine Zeit zu verlieren! Merkt Euch das bitte! Notarzt, Krankenwagen, Wittlich. Einen Hammer will ich Euch auch nicht unterschlagen auch wenn ich mich damit jetzt dann vollkommen blamiere: Ich war nicht einmal beim Kardiologen! In DREI JAHREN nicht einmal! Ich bin ein Idiot. Ich bin ein Mann! Alles war doch so super, oder? Wer geht da schon zum Arzt? Ich hatte ja keine Ahnung. Sagt es bitte allen, jedem um Euch der/die einen Infarkt hatte: Geht zum Kardiologen! Macht nen Termin. Jetzt! Und danach wieder! Der Infarkt lag diesmal an einer Mini-Verästelung, die beim letzten Mal nicht behandelt, schlicht übersehen wurde. Nicht größer als die schwarze Graphit-Ton-Spitze eines leicht abgeschriebenen Bleistifts. Nicht groß. Trotzdem tödlich. Willkommen auf dem Planeten Erde. Ich trug also drei Jahre eine Zeitbombe in mir. Eine Bombe, die zu weitaus schlechteren Zeitpunkten hätte hochgehen können als Zuhause, und nur 14km vom Krankenhaus entfernt. Aus dem hier aufgeführten „Bekenntnis“ sollte jeder ableiten können:
 
Für den Infarkt bin einzig und alleine ICH verantwortlich! Ich hatte nun zwei Mal unverschämtes Glück. Dem Herz geht’s unglaublich gut. Ein Stent mehr. Wir erhöhen auf 5. Meine Herzleistung liegt fast 18 Jahre unter meinem Altersschnitt. Volle Pump-Leistung! Überdurchschnittliche Regeneration nach nur 3 Tagen! Trotz nun zwei Infarkten! Das ist alles schon wirklich sehr selten. Das ist der Teil, den ich ganz sicher meiner Ernährung zu verdanken habe. Und natürlich dem konsequenten Wechsel zum Team „Nichtraucher“ nach dem letzten Infarkt. Alles weitere, mein Leben, verdanke ich Chefarzt Prof. Dr. med. Bruch, dem Verbundkrankenhaus Wittlich, seinen Mitarbeitern und ganz besonders der Liebe von und zu den Menschen und Tieren, für die ich innerlich immer 100% bereit war zu kämpfen um weiter bei Ihnen sein zu können! Auch als ich mit nur noch 20Puls auf dem OP lag und einen tatsächlich diese leichte, stetig steigernde Lebensmüdigkeit überkommt. Wenn sich das Aufgeben dickflüssig warm und einladend in einem ausbreitet wie „Wonig“ in einem Wintertee. Ein Aufgeben, dass dich einlädt sich einfach fallen zu lassen wie in ein kuscheliges Bett nach einem harten Tag. Vielleicht ist all das ein Ablauf um uns das Abschied nehmen hier zu erleichtern? Ich war auf jeden Fall absolut nicht bereit dazu! Das Leben ist zu kostbar. Alles Leben!
 
Heute stehe ich auf dem Balkon, spür die Sonne auf der Haut, schau über mein geliebtes Moseltal und wollte all das einfach mal schreiben. Zukunft ist wieder real. Ich bin sehr glücklich und dankbar HEUTE zu Leben. Vegan zu leben! In einer Zeit in der es möglich ist eine verschlossene Ader zu korrigieren. In einer Zeit in der man noch viel ändern kann!
Ich mich als erstes!
Danke fürs lesen.
Wir sehen uns wieder!


Vegan Hotel Nicolay 1881